Drachenschwingen

Eine mysteriöse drachenartige Kreatur fällt Jean Torbin in Wales an und tötet sie beinahe. Als sie zwischen Leben und Tod schwebt, erscheint Ragnar Radu Dracul in ihren Träumen. Jean weiß nach ihrer Genesung nur eines: Sie muss in die Karpaten, um den alten Legenden über Drachen und Vampire auf den Grund zu gehen! In Rumänien trifft sie auf den Mann, den sie für eine reine Ausgeburt ihrer Träume gehalten hat. Allerdings findet sie heraus, dass Ragnar kein Mensch ist. Doch da ist es bereits längst zu spät. Jean verfällt dem geheimnisvollen Ragnar, der mehr von ihr einfordert als ihr Herz. Ein dramatischer Kampf um ihre Liebe und das Leben der letzten Drachen beginnt, während die Grenzen zwischen Freund und Feind immer mehr verwischen … 

Linda Mignanis Fortsetzung von Kira Maedas Roman "Blood Dragon 1: Drachennacht".

Erscheint: 2014        Genre(s):  Fantasy        Sprache: Deutsch
Seiten: 258         Themen:  Dominanz & Unterwerfung         Verlag: Plaisir d'Amour
Preis:  14,99€ / 6,99€       Format:  Print, PDF, EBUB, Kindle




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Trailer




Leseprobe

Eine halbe Stunde später saß sie in einem kuscheligen Morgenmantel vor dem offenen Kamin. Sie hatte das bereitgelegte Holz nur anzuzünden brauchen. Der Nudelauflauf schmeckte köstlich und sie genoss den kalten Weißwein, den sie sich dazu aufgemacht hatte. Ein unerwarteter Stich Einsamkeit überkam sie, den sie entschlossen zurückdrängte. Alles war genau so, wie sie es wollte!
Na klar, Jean. Das ist dein Traum, einsam und allein zu bleiben, bis du so alt bist, dass dich keiner mehr will. Deine Bestrafung, dass James dich als so unerträglich empfand, dass er einfach abgehauen ist, ohne nur einmal zurückzublicken. Du aus Misstrauen bis ans Ende deiner Tage niemanden mehr an dich heranlässt, weil er dich ausgenutzt und bestohlen hat und du deiner eigenen Urteilskraft misstraust.
Und diese Tage konnten schneller über einen hereinbrechen, als man es dachte. Jean war dem Tod von der Schippe gesprungen und sie war nicht mehr die Jean, die sie gekannt hatte. Yarana! Wie aus dem Nichts drängte sich der Name an die Oberfläche ihres Bewusstseins, auch, dass Yarana in den Karpaten gelebt hatte - das prangte deutlich in den seltsamen Erinnerungsfetzen. Vielleicht sollte sie die Friedhöfe abklappern, um einen Anhaltspunkt zu finden. Was war mit dieser Frau geschehen, die Jeans Gehirn zum Teil erobert hatte? War das überhaupt möglich? Das alles war zu verworren. Ihre Gedanken, Erlebnisse und Erinnerungen erschienen wahnhaft. War sie dabei, den Verstand zu verlieren? Jean leerte das Weinglas mit einem Schluck. Sie war nicht verrückt! In Wales hatte ein Monster sie in einer Kirche angefallen, die nichts mit dem Christentum gemein hatte. Die Bestie hatte Jean getötet und als sie erwacht war, bewohnte sie ihren Körper nicht mehr allein. Und als würde das nicht reichen, hatte sie das Gefühl, dass die fremde Person in ihr verblasste. Außerdem verspürte sie den Drang, den Kerl aus ihren Träumen zu suchen.
Jean schenkte sich nach. Niemandem durfte sie davon erzählen. Es hörte sich sogar in den eigenen Ohren ganz und gar wahnsinnig an. Ihr entwich ein hysterisches Prusten. Was, wenn das, was in Wales über sie hergefallen war, sie bis nach Rumänien verfolgt hatte? Sollte sie nicht lieber nach London zurückkehren? In die Sicherheit einer lauten, überbevölkerten Stadt ohne tiefe Wälder, Schluchten und Berge, die Jean mit ihrer Schönheit und Wildheit Tränen der Ehrfurcht in die Augen trieben? Das Land der Drachen verlassen und zurück in ein Leben, an dem Geld verdienen an erster Stelle stand? Auch in einer Großstadt konnte man einsam sein, vielleicht einsamer als in der herrlichen Natur.
Sie tastete nach den Waffen, die sie unter dem Sofakissen versteckt hatte. Diesmal würde sie sich zu wehren wissen. 
Nein, sie konnte nicht entfliehen. Denn wenn sie nach London flüchtete, würde der Ruf der Karpaten sie fortwährend locken. Sie gehörte in dieses ungezügelte Land voller Mythen, Legenden und Gefahren. Hier fühlte sie sich so lebendig wie noch niemals zuvor. Und sollte sie an diesem Ort sterben, dann war es ihr Schicksal. Sie hatte dem Tod bereits ins Antlitz gestarrt, während ein Teil von ihr sich wünschte, sie wäre nicht erwacht. Und das machte sie unglaublich wütend. Nein, so eine armselige Person war sie nicht. Satt, halb betrunken und ein wenig unsicher auf den Beinen, erhob sie sich. Eines fehlte in dem Ferienhaus: ein Fernseher. Ohne ihn fühlte sie sich wahrlich abgeschnitten vom Rest der Welt. Irgendwie ein herrliches Gefühl. Sie legte sich in das weiche Bett und diese Nacht schlief sie traumlos. Es wunderte sie nicht, denn sie war zu Hause angekommen.

Die eisige Luft, die seinen überhitzten Körper umfloss, streichelte Ragnar, bis sie den Tumult in seinem Verstand besänftigte. Jean Torbin! Er hatte die kurze Nachricht über ihren Unfall im Internet entdeckt: Wanderin überlebt wie durch ein Wunder Angriff eines wilden Tieres. Was sich zuerst wie eine reißerische Falschmeldung gelesen hatte, hatte sich als wahr erwiesen, im Gegensatz zu der angeblichen Alienentführung in Ungarn, den gefakten Werwolfangriffen in Deutschland und den Geistersichtungen in Frankreich. Jean wurde in Wales attackiert und ihre Genesung war ein Mysterium. Ragnar hatte einer Krankenschwester auf dem Parkplatz aufgelauert und ein wenig Nachdruck angewandt, bis sie ihm erzählt hatte, dass Jean behauptet hätte, sie wäre von einem Wesen halb Mensch, halb Drache angegriffen worden. Auch dass ihre Verletzungen so schwer gewesen waren, dass sie hätte sterben müssen. Aber sie lebte!
Ob sie Yarana war? Auf leisen Schwingen segelte er durch die Nacht. In seiner Drachenform spürte er jeden Windhauch, jeden Regentropfen, jeden Atemzug intensiver als seine menschliche Seite es jemals könnte. Er war ein Geschöpf der Nacht, doch er liebte ebenso den Tag. Eine Windbö trug ihn höher und er ließ sich treiben, bewegte nur die Flügel, wenn es sein musste. Ragnar aktivierte all seine Sinne. Irgendwo in den Abgründen der Karpaten erwachte eine Macht, die sie ins Verderben stürzen könnte. Sie alle spürten es und in den letzten Tagen hatten sie eine Menge Drachen kontaktiert. Die Drachen hatten sich jahrzehntelang im Hintergrund gehalten, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie waren müde, allerdings konnten sie sich diesen Luxus nun nicht mehr leisten ...