Mitternachtsspuren

Jäger der Finsternis ...
Kendrick, ein Söldner der Dunkelheit, ist im Einklang mit seiner finsteren Seite, kennt weder Mitleid noch Liebe. Als Verfluchter jagt er Abschaum, menschlichen und nicht-menschlichen. Ein Biest lauert in Kendrick, das nur durch Lustschmerz, den er anderen zufügt, Erfüllung findet.
Dann begegnet ihm Morven, die ins Visier übernatürlicher Wesen geraten ist und beinahe von den Angelus, den Engeln der Finsternis, getötet wird. Morven stellt eine unwiderstehliche Droge für die Angelus dar, zudem ist sie eine mächtige Armanach, eine Rüstungsschmiedin – wovon Morven selbst allerdings nichts ahnt.
Ausgerechnet der Killer Kendrick soll Morven beschützen. Lang vergessene Gefühle brechen an die Oberfläche, Kendrick hat nur noch im Sinn, Morven zu besitzen, ihr Schmerz zuzufügen.
Obwohl sich alles in Morven sträubt, Kendrick zu vertrauen, verfällt sie ihm. Doch Morven schwebt in Gefahr, von dem Urchaid, dem Bösen, das Morvens Mutter einst aus dessen versiegelten Gefäß befreite, verschlungen zu werden …

Erschienen: 08/2011     Genre(s):  Fantasy    Sprache: Deutsch
Seiten:  212    Themen:  Dominanz & Unterwerfung /Vanilla    Verlag: Plaisir d'Amour
Preis:  14,99€ / 6,99€    Format:  Print, PDF, EBUB, Kindle

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Leseprobe
Kendrick kämpfte gegen die Fesseln an, die ihn auf dem Altar hielten. Sie brannten kalt auf seiner Haut. Runen glitzerten auf den Seilen aus Dämonenhaar. Allein Chara konnte sie lösen. Die Dämonin betrachtete seine vergeblichen Bemühungen und ein hartes Lächeln legte sich auf ihre Lippen. Hass loderte in ihrem fein geschnittenen Gesicht. „Spar dir die Mühe, Söldner der Dunkelheit.“
Ihr langer Fingernagel fuhr über seinen Schenkel und hinterließ eine blutige Spur. Schwer atmend leckte sie an dem Finger entlang, kostete sein Blut. Sie beugte sich hinab, ihre Zunge verbrannte sein Fleisch, bis sie sein Geschlecht berührte. Für einen Moment befürchtete er, sie würde ihrem Zorn nachgeben, dann wäre es vorbei. Ihre türkisfarbenen Augen loderten und hinter der Feindseligkeit sah er einen Schatten entsetzlichen Schmerzes, der tief in seine Seele biss.
„Unsere Verbundenheit währt ewig, Söldner. Leiden wird ein Teil deiner Existenz.“
Sogar jetzt lauschte er dem Nachklang der ausgewogenen Stimme. Sie wirkte bereit, zuzuschlagen, aber ein schneller Tod wäre unwürdig, ihren Rachedurst zu befriedigen. Gnade war das Letzte, wonach ihr der Sinn stand.
Der Knebel erstickte seine Schreie. Hilflos sah er grünen Rauch aus ihren Fingerspitzen quellen, der den Weg zu seinem nackten Leib fand, ihn bedeckte und jegliche Wärme aus seinem Fleisch saugte. Unnachgiebig nahm er von ihm Besitz, hinterließ Leere und Angst.
Seine Haut absorbierte den Dunst. Das Schimmern hörte nach wenigen Wimpernschlägen auf. Äußerlich blieb nichts von dem Fluch übrig, jedoch spürte Kendrick, wie sich das Wüten ausbreitete, seinen Körper und Verstand übernahm. Zuerst still, mehr ein kühles und sanftes Wispern.
Die Dämonin verschwand in der Nacht, lediglich der Geruch nach Lilien verblieb in der frostigen Luft.
Nach einigen Augenblicken ließen ihn die Seile aus ihrer Umklammerung. Er krümmte sich zusammen. Hunger erwachte, ungewohnt schrill, fordernd, alles andere auslöschend. Er konnte ihm nicht standhalten. Halt suchend stützte er sich an dem Altar ab. Das Wispern wandelte sich zu einem Tosen, eisig, grausam und riss ihn fort.

Reines Silber ersetzte das Blau seiner Augen. Er stellte sich ihren unheimlichen Glanz vor, während er sein Opfer fixierte, das kalte Lächeln, das die Frau ängstlich wimmernd zurückweichen ließ. Es gab keinen Ausweg. Sie sank auf den Boden. Fast zärtlich zog er sie hoch, bevor er ihr Gewand zerriss, sie fesselte und seine Gier an ihrem Schmerz stillte.

Kapitel 1
Kendrick sah dem Flüchtenden hinterher, betrachtete für einen Moment die hagere Gestalt, die über den Maschendrahtzaun kletterte.
Lior nickte ihm zu. Er kümmerte sich um die Frau, die mehr tot als lebendig in seinen Armen hing.
Daingit!
Sie war kaum erwachsen genug, um Auto zu fahren.
Musste das sein? Er hatte gerade gegessen, wollte ins Sugar and Chili, um seinen sexuellen Appetit zu stillen und die Bestie zu besänftigen. Gelangweilt nahm er die Verfolgung auf, überwand den Zaun mit einem Satz. Der Typ floh, als wäre der Teufel persönlich hinter ihm her, und verschwand zwischen den Bäumen des angrenzenden Southerton Gardens. Kendrick konnte es ihm nicht verdenken, der Abschaum war bereits tot, sie beide wussten es.
Er beschleunigte, um ihn noch vor der Boglily Road zu erreichen, weil die B925 in den Abendstunden stärker frequentiert war. Er hatte keine Lust, sich um Zeugen zu kümmern.
Mühelos verkleinerte er den Abstand. Der röchelnde Atem des Fliehenden hörte sich an, als nähme er gleich den letzten Atemzug. Kendrick gönnte es ihm nicht. Einen schnellen Tod hatte er mit seinen Handlungen verwirkt.
Der Zuhälter beging den Fehler, nach hinten zu blicken. Das taten sie immer. Ein Laut puren Horrors löste sich aus der Kehle, da Kendrick nur wenige Schritte entfernt war. Dennoch wollte er nicht aufgeben und schlug einen Haken. Kendrick fiel zurück, umfasste das perfekt ausbalancierte Wurfmesser und zielte auf den Oberschenkel, bedacht, den Muskel zu treffen.
Die Waffe landete punktgenau.
Der Abschaum schrie wie das Schwein, das er war, und ging zu Boden. Kendrick trat ohne Eile heran und ließ ihm Zeit, sich auf den Rücken zu drehen. Er sollte sehen, wie der Schrecken an ihn herantrat. Er versuchte zurückzuweichen, heulte auf, denn die Klinge bewegte sich in seinem Fleisch. Seine Schreie würden gleich ansteigen, doch niemand würde sie hören.
Kendrick hockte sich zu ihm, drehte ihn mühelos auf den Bauch und knebelte ihn mit einem Tuch, schließlich wollte er nicht die ganze Nachbarschaft in Panik versetzen. Die Angelegenheit war privat.
Langsam zog er das Messer aus dem Bein im Wissen, dass die gewellte Klinge beim Herausziehen größeren Schmerz verursachte als beim Eindringen. Der Zuhälter schrie aus Leibeskräften, doch es nutzte ihm wenig. Durch den Knebel verlor sich die Lautstärke, zudem drückte Kendrick seine Visage in die Erde. Die Opfer des Kerls hatten sich auch die Seele aus dem Leib geschrien.
Mit gezügelter Kraft trat er ihm in die Rippen, denn sie sollten nur brechen und nicht die Lunge zerstören.
„Dreh dich um, ich will dir in die Augen sehen.“
Der Zuhälter presste sich wimmernd auf den Boden. Kendrick rollte mit den Augen. Früher hatte es mehr Spaß gemacht, Abschaum zur Strecke zu bringen. Die moderne Welt verwandelte menschliche Männer in Wattebäusche.
Alles musste man selbst erledigen. Er packte ihn, drehte ihn grob auf den Rücken, umfasste den Nacken und strich ihm die strähnigen Haare aus der Stirn. Die Augäpfel sprangen fast aus den Höhlen - eine normale Reaktion. Sanftheit versetzte sie stets in größere Panik.
„Du hast dich mit Mächten eingelassen, die dein Können übersteigen.“ Er lächelte.
Das Arschloch zappelte wimmernd unter seinem Griff, erahnte die Pein, die ihn erwartete, doch in Wahrheit hatte er keine Ahnung. Sein Gehirn war unfähig, es sich auszumalen.
„Das allein wäre ausreichend, um dich zu töten.“ Mit der Messerspitze zertrennte er das schwarze T-Shirt. Eine blasse, in Schweiß getränkte Brust kam zum Vorschein. „Aber du musstest dich noch an kleinen Frauen vergreifen und versuchen, sie an Dämonen zu verkaufen.“ Er beugte sich tiefer. „Du hast sie geschlagen, vergewaltigt. Und du hast meinen freien Abend ruiniert.“ Mit einer Hand packte er die Kehle, drückte zu und ließ ihm gerade genug Luft, um nicht zu sterben. Mit der anderen zog er die Klingenspitze über die Haut. Er nahm sich Zeit.
Als es getan war, zog er einen Sack aus seiner Lederjacke. Glyphen glitzerten auf der Oberfläche, die das Material verstärkten. Er verstaute die Überreste, streute Bannpulver auf den Boden, beobachtete einen Moment, wie sich das Blut aus dem Waldboden löste und der leichte Wind es fortwehte.
Jetzt musste er den Scheißkerl zu seinem Wagen schleppen. Besonders viel Vergnügen hatte es nicht bereitet, den Typ zu töten. Es ging zu einfach. Ihn dürstete nach einer Herausforderung.
Sein Mobiltelefon vibrierte. Eine Nachricht von Nosferat, dem Obersten der Lugus. Er betrachtete sie seufzend. Der Abend war noch immer nicht vorbei. Seine Bedürfnisse mussten warten.