Zähmung und Hingabe

Kim hasst SM und alles was damit zu tun hat. Mit ihrer Meinung hält sie sich in ihrem Radiosender nicht zurück. Auch vom Federzirkel hat sie schon gehört und widmet ihm eine ganze Sendung. Zu dumm, dass sie zufällig ihre verschollene Freundin Viola trifft. Ehe sie sich versieht, landet sie auf Violas Ausstellung mitten im Federzirkel.
Dean, der jüngere der Sullivan-Brüder und Mitbegründer des exclusiven SM-Clubs, nimmt die Fährte auf. Bald befindet sich Kim im Strudel der SM-Lust.
Doch ihre Abneigung hat einen Grund: Kims Cousine Sally hat sich mit einem Dom der übelsten Sorte eingelassen. Kim vertraut sich Dean nicht an und weigert sich, ihre Neigung anzunehmen, bis es fast zu spät ist - denn sie hat nicht nur die Aufmerksamkeit des Federzirkels auf sich gezogen, und bringt sich und andere somit in große Gefahr.

Der zweite Band aus Linda Mignanis Reihe rund um den "Federzirkel".

Erschienen: 12/2011       Genre(s): Soft-SM / BDSM          Sprache: Deutsch
Seiten:  204       Themen:  Dominanz & Unterwerfung         Verlag: Plaisir d'Amour
Preis:  14,99€ / 6,99€       Format:  Print, PDF, EBUB, Kindle


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Leseprobe
Kim konnte es kaum erwarten, John kennenzulernen. Er musste ein toller Kerl sein, liebevoll, sanft und gütig, der mit Sicherheit seine Frau mit behutsamem Sex überhäufte, sie liebkoste und durch Streicheln und zärtliche Küsse zum Erbeben brachte. Viola hatte keine Ähnlichkeit mit dem verschüchterten Mädchen, das sie einst gewesen war. Was immer er mit ihr angestellt hatte, es tat ihrer Freundin mehr als gut.
Sie grinsten sich an, die Vertrautheit zwischen ihnen war spürbar, als ob sie nie getrennt gewesen wären, und doch war alles anders.
Kim betrachtete nicht ausschließlich die Bilder, sie begutachtete auch die Einrichtungsgegenstände. Eine leise Unruhe breitete sich in ihr aus. Ein Andreaskreuz? Dazu in perfekter Handarbeit aus poliertem Holz und mit Softmanschetten, die mit dunkelrotem Samt unterlegt waren. So ekelig sie die Idee fand, daran zu stehen, das Utensil übte eine eigenartige Faszination auf sie aus – entsprach es doch gar nicht ihrer Vorstellung von einem mit Kunstleder bezogenen Kreuz, welches in einem schmuddeligen Raum thronte. Auch Ketten und Ringe zierten Wände und Decken, und aufgerollte Peitschen, die neben Violas Kunst hingen, ließen sie schlucken. Erneut wanderte ihr Blick zu den Schmerzbringern. Kim kam nicht gegen den Reiz an. Sie sahen ganz anders aus als die Peitschen in Sallys Schlafzimmer, waren sie doch erlesene Handarbeit. War das dort etwa ein Schenkelspreizer?
Wie würde es sein …
Wütend untersagte sie sich, mit dieser Fantasie zu spielen. Das war abartig!
Sie unterdrückte ein Schaudern, als sie eine Reihe Analplugs entdeckte, die auf einer Anrichte wie aufgereihte Familienfotos standen. Polierter Edelstahl, geschmückt mit glitzernden Steinen, und sie wirkten stilvoll. Kim konnte kaum glauben, dass sie diesen Gedankengang hatte. Es musste an den schönen Gemälden liegen und an der geschmackvoll-erotischen Atmosphäre des Anwesens.
Auf einem weiteren Sideboard stand eine Ansammlung Glasdildos, die im sanften Schein des gedämpften Lichts funkelten. Sie ähnelten Schmuckstücken, mit den farbigen Schlieren, die im Glas eingebettet schimmerten.
Waren die Accessoires angeschafft worden, um die Kunst ins rechte Licht zu rücken? Sie beäugte die Freundin misstrauisch. Was war das für ein Haus? Jeder Raum lockte mit edlem Parkettboden, bodentiefen Fenstern und hohen Decken. Perfekt aufeinander abgestimmte helle Farben zauberten ein gemütliches Flair. Die Zimmer wirkten nicht kalt und unbewohnt, sondern verströmten eine lebendige Atmosphäre, so wie Viola, trotz der grauenvollen Utensilien.
Aber Viola konnte nichts für SM übrig haben, dazu war sie viel zu fröhlich und gefestigt. Sie lachte die ganze Zeit, die Gesten souverän und sinnlich. Auch die Gäste der Vernissage sahen nicht auffällig aus. Niemand kroch mit einem Halsband verziert auf dem Boden herum. Keiner der Männer schrie seine Begleitung in der Öffentlichkeit an und schlug ihr ins Gesicht, weil sie es wagte, ihn anzusehen oder gar ohne Erlaubnis zu sprechen. Dennoch, wenn sie die Kerle betrachtete, bewegten sie sich nicht wie die üblichen Anzugträger, die sie kannte, sondern sie wirkten dominant und einschüchternd selbstsicher. Sie sahen Kim auf eine Weise an, die unverblümt wirkte. Kein verschämtes Blinzeln, sondern direkter Augenkontakt. Auch bei einigen Frauen bemerkte sie dieses Verhalten: Sie musterten Kim mit unverhohlenem Interesse, als ob sie ihre Fantasie anregte und sie sich vorstellten, sie nackt in die Bondagevorrichtung zu hängen, die Kim soeben erspähte. Allein die Vorstellung jagte eine Hitzewelle durch ihren Körper. Ihre Nervosität stieg, und um das zu verbergen, straffte sie die Schultern und erwiderte die Blicke. Niemand sollte wissen, dass sie sich unwohl fühlte. Über die Jahre hatte sie die äußere Schale perfektioniert. Sie griff nach einem weiteren Glas und schüttete den eiskalten Inhalt in zwei Schlucken hinunter. Bis jetzt hatte sie noch keinen Solokerl entdeckt, der sich für einen Flirt eignete. Sie wollte jemanden mit einer sanften Ausstrahlung. Irgendwo musste doch so ein Typ zu finden sein!
Kim fühlte sich wie der einzige Mensch, der im dunklen Heim von Dracula gelandet war, und kicherte hysterisch. Zum Glück schob Viola ihr Verhalten auf den Sekt zu und hob ihr Glas.
„Wie gefällt dir das Bild? Es heißt Schmetterlingserwachen.“
Der großformatige Keilrahmen zeigte die gleiche Brünette wie auf dem Gemälde im Eingangsbereich. Sie hielt einen roten Voileschal in der Hand, der den vollkommenen Körper zur Schau stellte. Schwarze Schmetterlinge umschwirrten sie. Auf den rasierten Venushügel hatte Viola ein schwarzes Schmetterlingstattoo gemalt.
Kim drehte sich Viola zu und ließ beinahe das Glas fallen, als sie sah, wer auf sie zueilte.
John Sullivan.
Shit, das durfte nicht wahr sein! Was war das für ein seltsamer Zufall, dass er in der gleichen Grafschaft wie sie wohnte.
„Ist alles in Ordnung?“ Die Stimme der Freundin riss sie aus der Starre. „Du bist leichenblass.“
„Ich hatte kein Mittagessen. Wahrscheinlich vertrage ich den Sekt nicht.“
John erreichte Viola in diesem Moment, und natürlich musste er der Ehemann sein. Besitzergreifend fasste er sie an den Schultern, zog ihren Kopf in den Nacken und platzierte einen zärtlichen Kuss auf ihrer Stirn. Wo John war, konnte Dean nicht weit sein. Das hatte ihr gerade noch gefehlt.
John sah unverfroren sexy aus, Black Irish. Er lächelte Kim sinnlich und selbstsicher an. In seinen grauen Augen lag kein Erkennen.
„Ist das deine lang verschollene Freundin?“ Er ließ seine Frau los, und Kim spürte, dass er sie auf die Wangen küssen wollte. Nur über ihre Leiche. Sie hielt ihm, wie sie hoffte, überlegen lächelnd die Hand hin.
„Kim Reynolds.“
Der Name weckte keine Erinnerung, sie sah es ihm an. Wie auch – nach der Scheidung von Gary hatte sie seinen Nachnamen behalten. John trat einen Schritt zurück, akzeptierte die Barriere, die sie ihm deutlich demonstriert hatte. Wusste sie es doch, er war ein Sockenaufroller: auf den ersten Blick forsch, doch dahinter war nur heiße Luft. John verließ sich auf sein gutes Aussehen, das ihm jede Tür öffnete. Ihre schlug sie ihm vor der Nase zu, und schon wusste er nicht, wie er sie umgarnen sollte. Der Kühlschrankpanzer zeigte Wirkung, auch wenn sie sich darin einsam wie ein ausgesetzter Welpe fühlte. Er durfte ihr nicht anmerken, dass sein Anblick sie bis ins Mark erschütterte. Sie lächelte ihn gefasst an, obwohl sie ihm am liebsten den Inhalt des Glases ins Gesicht geschüttet hätte.
„Sorry, ich wollte nicht abweisend sein. Mir war übel.“
Ihr war nicht nur übel, sie konnte schwerlich an sich halten. Zu tief saß die Demütigung. Sie erinnerte sich daran, als ob es gestern passiert wäre, spürte die kalte Luft auf der Haut, die Angst und die Scham davor, entdeckt zu werden. In dieser Nacht hatte sie ihren Tränen freien Lauf gelassen – das letzte Mal, dass sie hemmungslos geweint hatte. Tränen brachten nichts außer Kopfschmerzen und geschwollenen Augen.
Er sah sie besorgt an, sodass es zusätzlich an ihren Nerven zerrte. Sie wappnete sich gegen die Empfindung. Er war ein Arschloch, das durfte sie niemals vergessen. Für einen kurzen Augenblick änderte sich der Ausdruck seiner Augen. Erkannte er sie? Ihr Herz raste bei der Vorstellung.
„Wo ist Dean? Er sollte Kim kennenlernen.“ John legte Kim einen Arm um die Schultern, und sie bemerkte die Kraft, die in ihm steckte. Ohne eine Szene zu verursachen, konnte sie sich nicht befreien. Frech zog er sie enger zu sich. Es wirkte wie eine Provokation. Sie spürte die Hitze seines Körpers, mit welcher Leichtigkeit er sie in Schach hielt. Für die Anwesenden sah es wie eine freundliche Geste aus. Mehr noch, da er Viola mit dem zweiten Arm umschlang. Irgendetwas haftete ihm an, eine Dominanz, die sie abschreckte und gleichzeitig herausforderte. Es ängstigte sie. Tief in ihrem Inneren ahnte sie, dass es keine Reaktion auf ihn war, sondern auf sich selbst. Vielleicht rollte er keine Socken auf, stattdessen benutzte er sie, um Viola damit an den Bettrahmen zu fesseln.
Woher kam dieser abstruse Gedanke?

Und als ob es nicht reichte, führte sie ihn weiter aus, stellte sich Viola nackt an dem Kreuz vor, die Haut gezeichnet von den Schlägen einer der handgearbeiteten Peitschen. Die Wangen nass vor Tränen und Schweiß, die Schenkel benetzt mit ihrer Lust.